Schwarzes Loch

KARFREITAG und SCHWARZ

Undurchdringliches – alles verschluckendes SCHWARZ.

 

Wie viele Menschen vor Jesu Hinrichtung

und nach Jesu Hinrichtung

mussten dieses SCHWARZ erleiden?

 

Wie viele Menschen müssen es tagtäglich erleiden?

 

Ich kenne das SCHWARZ von KARFREITAG

von Kindesbeinen an.

Weiß, wie es sich anfühlt ... wie es ist, wenn jede Hoffnung, jeder Halt, alles Gute einfach in SCHWARZ getaucht wird.

Zurück bleiben Ohnmacht, Angst, Einsamkeit, Trauer ... Gottverlassenheit.

 

Dieses SCHWARZ hat mich lange begleitet ...

Hat sich tief in meine Seele hineingefressen ...

 

Weil ich es kenne ... Mitleidlosigkeit, Menschenverachtung,

kann ich es nicht mehr ertragen.

Ich muss dem SCHWARZ etwas entgegensetzen.

 

Lied: Die Nacht ist vorgedrungen

 

 

Gebet vor der Lesung aus dem Matthäusevangelium:

Gott, es gibt so viel Lebensverneinendes,

so viel Lebensfeindliches auf dieser Welt.

 

Und die Lebensangst steigt immer mehr.

 

Gott, Du selbst kennst alle Orte der Qual, des Leids.

Denn, wenn Du die Orte nicht kennen würdest,

wenn Du nicht bei den Leidenden wärest,

dann gäbe es Orte ohne Dich.

 

Orte ohne Dich,

Für mich nicht denkbar.

Deine Abwesenheit ... Dein sich Zurückziehen ...

nicht denkbar ...

 

Wenn wir leiden müssen, Gott,

und Dich nicht mehr spüren können ... glauben können ...

sei bei uns.

 

Amen

 

 

 

Lesung Matthäus 27, 33-50 

 

Und als sie an die Stätte kamen

mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte,

gaben sie Jesus Wein zu trinken mit Galle vermischt;

und als er's schmeckte, wollte er nicht trinken.

  • Als sie ihn aber gekreuzigt hatten,
  • verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.

    Und sie saßen da und bewachten ihn.

  • Und oben über sein Haupt
  • setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes:

    Dies ist Jesus, der Juden König.

    Und da wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt,

    einer zur Rechten und einer zur Linken.

    Die aber vorübergingen, lästerten ihn

    und schüttelten ihre Köpfe

    und sprachen:

    Der du den Tempel abbrichst

    und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber,

    wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!

     

    Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester

    mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:

    Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen.

    Ist er der König von Israel,

    so steige er nun vom Kreuz herab.

    Dann wollen wir an ihn glauben.

     

    Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun,

    wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt:

    Ich bin Gottes Sohn.

     

    Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber,

    die mit ihm gekreuzigt waren.

    Und von der sechsten Stunde an

    kam eine Finsternis über das ganze Land

    bis zur neunten Stunde.

     

    Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut:

    Mein Gott, mein Gott,

    warum hast du mich verlassen?

     

    Einige aber, die da standen, als sie das hörten,

    sprachen sie: Der ruft nach Elia.

    Und sogleich lief einer von ihnen,

    nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig

    und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.

     

    Die andern aber sprachen:

    Halt, laß sehen, ob Elia komme und ihm helfe!

    Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.

     

     

     

    Lied: Meine Hoffnung und meine Freude

     

     

     

    Liebe Gemeinde,

     

    im Universum gibt es „schwarze Löcher“.

    Astronomen, Quantenphysiker,

    könnten sicher viel dazu sagen.

     

    „Ein SCHWARZES LOCH ist ein astronomisches Objekt,

    in dessen Nähe die Gravitation so extrem stark ist,

    dass aus einem inneren Raumbereich mit hochgradig verzerrter Raumzeit

    NICHTS – auch kein Lichtsignal – nach außen gelangen kann.“

     

    So einleitend der Artikel

    zum „schwarzen Loch“ in Wikipedia.

    Kurzum es saugt alles auf,

    und was aufgesaugt wird, bleibt im Loch.

    Auch Licht.

     

    Ich stelle mir den Ort Golgatha

    als so ein„Schwatzes Loch“ vor.

    Alles wird verschluckt – Menschlichkeit – Güte – Mitleid – einfach alles verschwindet, wird zerstört, auch der Glaube.

     

    Ein Ort der absoluten Nichtung.

     

    Mit dem grausamen Sterben Jesu am Kreuz

    stirbt auch die Hoffnung seiner Jünger.

    Sie werden in alle Winde verstreut und verkriechen sich.

     

    Ist das SCHWARZ von Karfreitag so stark,

    dass es Gott verschlucken kann?

     

    Ist es gar eine mächtige Gegenkraft zu Gott – neben Gott?

    Eine alles auffressende Gegenkraft, die das Leben verneint?

     

    Gott, wo bist Du,

    wenn das SCHWARZ mich einholt und fressen will?

    Gott, bist Du schwächer als das SCHWARZ?

     

    ****

    Gott ist von unten in die Welt gekommen,

    ist Mensch geworden,

    hat sich ganz menschlich dem SCHWARZ gestellt –

    hat versucht etwas entgegen zu setzen,

    gegen die Unmenschlichkeit

    und das Lebensverneinende auf dieser Welt.

     

    Er hat sich vom SCHWARZ verschlucken lassen,

    und ist am SCHWARZ gestorben.

     

    ****

    Gott, gestorben ein für alle mal?

    Gott tot – vom Gegengott erledigt, ein für alle mal?

     

    Ich sage NEIN – trotz allem.

    Trotz des täglichen Kampfes von Menschen gegen Angst, gegen Brutalität ... Gemeinheiten ... Mitleidlosigkeit.

     

    Das ist um und um ... das SCHWARZ.

    In uns und um uns herum.

     

    NEIN – Gott ist nicht ein für alle mal gestorben.

    NEIN – Gott stirbt zusammen mit jedem leidenden Wesen, tagtäglich, stündlich ... jeden Augenblick.

     

    Mit seinem MITSTREBEN – ganz menschlich, verletzlich

    und schwach – setzt er dem alles fressenden SCHWARZ etwas entgegen.

     

    Und das SCHWARZ ist so unempfindsam, so gedanken- und gewissenlos, dass es Gott jeden Augenblick zusammen mit dem Leben verschlucken will.

     

    NEIN – auf dieser Welt gibt es keinen gottlosen Ort,

    auch dort nicht, wo nur noch Gewalt und Hass regiert.

     

    „Steht auf! Erhebt Eure Häupter“ gegenüber den dunklen Mächten in Euch und um Euch herum!

     

    Steht auf und setzt Mitgefühl und Menschlichkeit aller Unempfindsamkeit und Unmenschlichkeit entgegen!

     

    Überlasst dem SCHWARZ von KARFREITAG nicht die Herrschaft!

     

    ****

    Als das SCHWARZ von KARFREITAG noch in mir mächtig war und es versucht hat, immer wieder das aufflackernde Licht in mir zu verschlucken, da habe ich in den Karfreitagsgottesdiensten die Osterkerze ausgeblasen.

     

    Heute nicht! Nicht mehr!

    Sie muss anbleiben, leuchten ... wie ein ewiges Licht.

     

    Mit meinem Atem werde ich nie wieder eine Osterkerze an Karfreitag ausblasen.

    Sie steht für den Gott, der dem alles fressenden SCHWARZ nicht den Raum überlässt.

     

    Denn mitten in der lebensfeindlichsten Finsternis ist Gott bei jedem leidenden Wesen.

     

    Amen

     

     

    Gebet vor Abendmahl:

     

    Gott, Du bist Mensch geworden für jeden von uns!

    Gott, Du hast alle Höhen und Tiefen des Menschsein durchlebt!

    Gott, Du hast in Deinem Todeskampf

    sogar die absolute Verlassenheit ertragen.

    Dir ist es nicht fremd, was es heißt, Mensch zu sein.

    Du hast unsere Haut getragen,

    für jeden von uns.

     

    Für Dich und Mich.

     

    Mit Dir, Gott, springe ich über Mauern,

    Mit Dir, Gott, gehe ich durch das finstere Tal,

    Mit Dir, Gott, gehe ich bis an Dir Grenze von Leben und Tod...

    Und dann nimmst Du mich an die Hand.

    Amen

     

    Mit G rechnen

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