Halleluja

Johannes 12,12-19

Der Einzug in Jerusalem

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, daß Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, daß dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, daß ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Wir stellen uns das so schön vor!

Den Einzug Jesu nach Jerusalem.

Sonnenschein ... Fröhlichkeit ... begeisterte Jubelgesänge.

 

Schön ... positiv ... leicht ... fröhlich ...

 

War es so gewesen, damals vor knapp 2000 Jahren?

 

Ganz gewiss nicht!

Unzählige Menschen

sind von überall her nach Jerusalem gewallfahrtet,

hatten oft beschwerliche Wege hinter sich,

kamen erschöpft im Pulk an,

quetschten sich durchs Stadttor

und suchten nach Quartier.

 

Die Psalmen ... die Lobgesänge Israels gaben ihnen Kraft.

Sie waren ihnen vertraut ...

und so sangen die einziehenden Gruppen ihre Lieder ...

 

Auch legten die gläubigen Menschen all ihre Hoffnung,

ihre Sehnsucht und ihren Glauben

in die leiderprobten Mutmachtexte.

 

Halleluja / Hosianna singen, trotz allem.

An Befreiung und Frieden glauben wollen, trotz allem.

Denn schließlich wird beim Passafest

die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft gefeiert.

 

Also war das Fest religiös hoch aufgeladen.

Denn nach Jahrhunderte andauernder Bedrückung

durch Fremdherrscher,

war die Sehnsucht gewaltig ...

wie ja auch das Stöhnen/ das Leid

unter der römischen Besatzungsmacht gewaltig war.

 

„Wie lange noch ... wie lange noch ...

Wann endlich ... müssen wir keine Tränen mehr säen,

sondern können Freude ernten.

  • Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,
  • so werden wir sein wie Träumende.
  • Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein.
  • Brennende Sehnsucht trugen die Menschen in ihren Herzen.

    Jeder für sich ... und alle zusammen.

    Auch Fragen ... Zweifel ... Trauer ... Ohnmacht ... Angst

    • Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
    • weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun mein Gott?
    • Warum hast Du mich vergessen?
    • Warum hast Du mich verlassen?
    • Ich habe mich müde geschrieen, mein Hals ist heiser.
  • Einer unter der großen Wallfahrermenge war Jesus,
  • gefolgt von seinen Anhängern.

     

    Halleluja ... und Hosiannarufe um ihn herum ...

    Und mit jedem Jubelruf wurde ihm sein Herz schwerer,

    denn auf ihm lastete viel Erwartungsdruck.

     

    Er war ja für seine Anhängerschaft ein Held,

    einer der es machen wird.

     

    Ein Held? ... NEIN

    der Superheld, der Befreier, Erlöser, Retter, der Friedefürst.

     

    Jesus wusste, dass sein Weg kein leichter sein würde.

    Und das hat er auf dem Weg nach Jerusalem versucht,

    seinen Leuten begreiflich zu machen..

     

    Doch wollten sie es hören?

     

    Was würden die kommenden Tage Stunden bringen?

    Ein Funke nur genügte und Gewalt würde sich explosionsartig entladen.

    Denn die Römer und die mit ihnen kollaborierende Oberschicht waren nicht an Unruhe interessiert.

    Revolutionäre Tendenzen wurden sofort im Keim erstickt.

     

    ****

    Wie süß! Jesus auf einem Esel!

    Im Nachhinein ist die Eselgeschichte rührig

    und symbolträchtig!

     

    Doch war an dem Esel überhaupt nichts ungewöhnliches.

    Jesus konnte schließlich nicht mit der Sänfte getragen ankommen.

    Er war ja einer von vielen,

    der zwar für seine Anhänger ein Besonderer war,

    für das Gro der Menschen – aber doch einer wie sie selbst,

    einer aus ihrer Mitte.

     

    Eben ein Kind Gottes / ein Menschensohn ...

     

    Der Esel war ein Lasttier ... die Menschen trugen Lasten ...

    Manche hatten das Glück, einen Esel zu besitzen ...

    die meisten mussten ihre Lasten  auf dem Rücken schleppen.

     

    Jesu Jünger hatten das Tier organisiert.

    Denn ihr Meister sollte es etwas bequemer haben.

     

    ****

    Das Besondere der letzten Tage / Stunden Jesu?

     

    Die große Heilgeschichte, von Gott vorhergeplant ...

    Die ausgewählten Mitakteure ...

    Die bedeutenden Worte, die gesprochen wurden ...

    Das Außergewöhnliche, das Göttliche ...

    Das große einmalige Menschenopfer

     

    Im Nachhinein von Glaubenden so beschrieben, ...

    gedeutet ... und festgehalten.

     

    ****

    Was soll ich glauben?

    Dass Gott die Passion Jesu so inszeniert hat?

    Dass Gott die Rollen festgelegt und besetzt hat?

    Dass Gott seinen Sohn, den er lieb hat, opfern lässt?

     

    Vorherbestimmt hat, dass er grausam sterben soll?

     

    Dass „die Juden“ so gemein und wankelmütig waren, dass sie wie aus einem Mund zuerst Halleluja und dann kreuzige ihn, geschrieen haben?

     

    Dass „die Juden“ / wie „der Judas“ einen Part von Gott zugeteilt bekommen haben?

    ????? Das soll ich alles glauben

    und auch noch verkündigen ?????

     

    In die Wirkungsgeschichte der Passionsgeschichte soll ich mich einklinken, in das „die Juden sind an allem schuld“,

     „die Juden wollten, dass Jesus gekreuzigt wird“????

     

    Und Gott soll ich sehen als Regisseur der Weltgeschichte, der alles vorherbestimmt hat?

    Was für ein Gottesbild? Was für ein Menschenbild?

     

    *****

    Wenn ich in der Karwoche Texte aus der Passionsgeschichte lese, höre und Passionslieder singe, dann denke ich immer auch an das, was die Kapitel vor der Passionsgeschichte von Jesu Leben und Wirken erzählen, mit.

     

    Dort suche ich nach dem Besonderen, dem was mir Jesus wertvoll macht.

     

    Suche ich nach dem, was wohl Jesus wichtig war zu leben.

     

    Da kann ich einiges entdecken.

    Seine Art zu glauben – seine Art Glauben zu leben.

    Und zwar echt zu leben, nicht Glaube in Szene zu setzen.

     

    Besonders kann ich gefühlsmäßig / herzmäßig bei seiner Menschlichkeit andocken.

    Denn seine Menschlichkeit war überzeugend, überraschend ... ansteckend.

    Da lese ich von Liebe / Trauer / Zorn / Einsamkeit ...

     

    Da wird mir der unauflösliche Zusammenhang von Gottes- und Nächstenliebe deutlich.

     

    Ja, Jesu Ethik ... gespeist von Glaubenserfahrungen unzähliger Menschen vor ihm.

    ****

    Zu seinem Leiden, seinem Weg ans Kreuz denke ich NICHT, dass es etwas einmaliges war.

    Ein einmaliges Menschenopfer ...

    dass ein für alle mal Menschenopfer

    auf dieser Welt beseitigt.

     

    Denn er leidet und stirbt wie Millionen Menschen

    zu allen Zeiten.

     

    Trotz allem, hat er geglaubt

    und ist für seinen Glauben gestorben.

     

    ****

    Ehrfürchtig stehe ich vor dem Kreuz,

    gerade weil ich weiß, dass tagtäglich Menschen und Tiere unsäglich leiden müssen.

     

    Mitgefühl und Achtsamkeit

    sind mir immer wichtiger geworden.

    All zu schnell wird umgeschaltet vom Traurigen

    zum Positiven.

    Werden Leidende an den Rand geschoben ... weggedrückt ... zum schweigen gebracht.

     

    Das Kreuz steht für das Leid – gibt Zeugnis davon.

     

    Das Kreuz steht für die Menschwerdung Gottes,

    der sich mitten zu den Leidenden Ohnmächtigen

    und Hoffnungslosen stellt.

     

    Ein Gott, der sich nicht zurück zieht ...

    sondern echt Immanuel „Gott mit uns“ ist, mit jedem Menschen, mit seiner ganzen Schöpfung.

     

    AMEN

     

    Mit G rechnen

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