Lichtgestalten

Lichtgestalten

 

Predigt zum Letzten Sonntag nach Epiphanias, gehalten am 9. Februar 2014 in der Erlöserkirche Owschlag. Predigttext war 2. Petrus 1, 16-21, der Bezug nimmt auf Matthäus 17, 1-9, der Erzählung von der Verklärung Christi auf dem Berge.

 

Verklärung und Verherrlichung schaffen Abstand, ja Distanz. Eine Lichtgestalt hebt sich von der Masse ab, das glänzende Angesicht erscheint unnahbar. Zumeist können die verherrlichten Menschen gar nichts dafür, dass sie post mortem in einem verklärtem Licht gesehen werden.

Jesus von Nazareth wurde in den Jahrzehnten nach seinem Tod „in den Himmel gehoben“. Der Focus liegt dabei auf dem auferstandenen Jesus als Christus und nicht mehr so stark auf dem, was Jesus gelebt und gepredigt hat.

Die historische Bibelkritik hilft den geglaubten Jesus Christus und den historischen Jesus auseinander zu halten. Jesu Ethik, die Bergpredigt, die Gleichnisse und Streitgespräche sind mir wichtig. In der Bergpredigt sagt Jesus zu den herbeigeströmten Menschen: „Ihr seid das Licht der Welt!“ – Licht werden / Heldin werden ist immer wieder möglich. Jesus von Nazareth hat durch sein Leben Mut dazu gemacht.

 

 

 

2. Petrus 1, 16-21

Die Verklärung Jesu und das prophetische Wort

 

Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt,

als wir euch kundgetan haben die Kraft

und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus;

sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.

 

Denn er empfing von Gott, dem Vater,

Ehre und Preis durch eine Stimme,

die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit:

Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

 

Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.

 

Um so fester haben wir das prophetische Wort,

und ihr tut gut daran, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort,

bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe

in euren Herzen.

 

Und das sollt ihr vor allem wissen,

daß keine Weissagung in der Schrift

eine Sache eigener Auslegung ist.

 

Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden,

sondern getrieben von dem heiligen Geist

haben Menschen im Namen Gottes geredet.

 

 

Evangeliumslesung: Matthäus 17, 1-9

Die Verklärung Jesu

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.

 

Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne,

und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

 

Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia;

die redeten mit ihm.

 

Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

 

Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach:

Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

 

Als das die Jünger hörten,

fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.

Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach:

Steht auf und fürchtet euch nicht!

 

Als sie aber ihre Augen aufhoben,

sahen sie niemand als Jesus allein.

Und als sie vom Berge hinabgingen,

gebot ihnen Jesus und sprach:

Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen,

bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Was ist VERKLÄRUNG?

Ein komisches Wort.

 

Etwas VERKLÄRT sehen,

etwas VERHERRLICHT sehen.

 

VERKLÄRUNG + VERHERRLICHUNG sind ein Paar.

 

Wer etwas verklärt, ein Ereignis oder einen Menschen,

der verherrlicht – der sieht das Geschehene

in einem anderen – helleren – positiverem Licht.

 

Vielleicht brauchen wir VERKLÄRUNG / VERHERRLICHUNG.

 

Ich denke an Konfirmandenfreizeiten (z.B. Konficamp mit 160 Jugendlichen), und in meiner Erinnerung sind die Freizeiten super gewesen.

Super Gemeinschaft ... tolle Erlebnisse ... witzige Ereignisse ... auch das Anstrengende / das Schwierige bekommt in meiner Erinnerung eine andere Färbung.

 

Z.B. Wie ich mich bei einer Nachtwanderung verlaufen habe, und wir gut 4 Stunden herumgeirrt sind ... eine denkwürdige Wanderung, von der alle noch lange „geschwärmt“ haben. Was war das witzig gewesen,

als Frau Jensen keine Peilung mehr hatte!

 Ein Konfirmand fragte mich während unserem Marsch: „Frau Jensen, was machen wir, wenn wir den Weg zur Herberge nicht finden?“ ...  witzig?! ... im Nachhinein ja.

 

Vielleicht brauchen wir auch HELDEN und HELDENVEREHRUNG.

Weil diese Welt einfach Helden braucht ... gute, couragierte Menschen, die zur rechten Zeit das Richtige tun.

 

Ich habe einen Hang zur Heldenverehrung und zur Verherrlichung. Das Wahre ... das Gute ... das Schöne ... das brauche ich in einer Welt, in der es so viel Scheinheiligkeit ... Lüge .... Gefühllosigkeit und Brutalität gibt.

 

Einen Menschen auf den Thron heben,

ihn für super gut befinden, dazu neige ich.

 

Mache ich das, weil ich mich sehne nach einem Retter, Erlöser, Befreier?

Ich glaube schon.

 

Mache ich das, weil ich in schwierigen Situationen sagen kann: Da muss ein Held her.

Und wenn ich in einer brenzligen Situation keine Heldin sein will – wenn es mir zu gefährlich erscheint – kann ich Ausschau halten nach einem mutigeren Macher.

 

Braucht es zum Heldsein besondere

Führungsqualitäten, Fähigkeiten, Stärke, Entschlossenheit, Durchsetzungsfähigkeit?

Besonderen Mut ...?

 

*****

 

Jesus von Nazareth war ein mutiger Mensch.

Er hatte Führungsqualitäten ... Überzeugungskraft ... Charisma ...

Jesus wurde im Nachhinein von vielen VERHERRLICHT.

 

*****

 

LICHT spielt in der Geschichte von der Verklärung Christi eine große Rolle.

 

Matthäus 17,2: Jesus wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

 

2. Petrus 1, 19: und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

 

Wir sehnen uns nach Licht in der Dunkelheit.

Und wir sehnen uns nach LICHTGESTALTEN.

 

Gesichter können von Innen heraus leuchten. Das gibt es.

 

In Komikhefen ist oft neben einer Zeichentrickfigur eine Glühbirne gezeichnet, wenn die Figur eine zündende Idee hat. (Donald Duck Heften z.B. bei Daniel Düsentrieb)

 

Die lösende rettende Idee mitten im Schlamassel.

 

Gesichter können leuchten vor Ideenreichtum, Freude, innerem Frieden.

 

*****

In der Geschichte von der Verklärung Jesu sehen Petrus, Jakobus und Johannen ihren Herrn und Heiland neben Mose und Elia stehen.

Mose und Elia sind ja auch Lichtgestalten, die im Nachhinein verklärt dargestellt wurden.

 

Von Mose wird im 2. Buch Mose 34, 29 erzählt:

„Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte.“

 

Das Licht kommt von Gott ... der Glanz auf Moses Angesicht ist ABGLANZ.

 

Wer mit Gott in Berührung kommt, verändert sich. So beschreibt es vielfach die Bibel.

 

In der Bibel sind Gotteserfahrungen, Gotteswahrnehmungen zu Hauff zu finden, denn in den biblischen Texten sind gläubige Menschheitserfahrungen zusammen geflossen.

 

Mündlich Überliefertes wurde gesammelt .... weitergegeben aufgeschrieben ... abgeschrieben ... ergänzt ... ungeschrieben ...

 

****

Wer die Bibel in die Hand nimmt und liest,

der begegnet nicht Mose, Elia oder Jesus direkt ...

der begegnet Erzählungen über diese gewaltigen Künder Gottes.

 

Hilfreich ist auch zu wissen,

wann die Erzählungen entstanden sind.

Das Matthäusevangelium ist ca. 50 Jahre nach der grausamen Ermordung Jesu entstanden und der 2. Petrusbrief 90 Jahre danach. (ca. um 120 n. Chr.)

 

Durch die historische Bibelkritik wissen wir auch, dass das Matthäusevangelium ältere Quellen benutzt hat.

 

Insbesondere die Reden Jesu (Bergpredigt / Gleichnisse / Streitgespräche) sind Texte, die uns Jesus näher bringen.

Jesus, wie er lebte ... wie er verkündigt hat ... wie er gestritten hat ... Jesu, der Revolutionär, der sich in Kürze Feinde gemacht hat ... Jesus, der an das baldige Kommen des Reiches Gottes geglaubt hat ... Jesus, der Nächstenliebe über das schematische Befolgen von Geboten gestellt hat ... der sich nicht zu Schade war,

zu ausgegrenzten Menschen zu gehen.

 

Das ist der Jesus, den ich suche, auf den ich hören will, der mir Kraft gibt, Reich Gottes ansatzweise zu leben.

Denn das sollen wir ja, Reich Gottes leben ... Kinder Gottes sein ... selbst Licht sein.

 

In der Bergpredigt heißt es ja auch:

Ihr seid das Licht der Welt – Ihr seid das Salz der Erde.

 

Wenn WIR nicht Licht sind, wer ist dann Licht?

 

*****

An Licht in der Dunkelheit zu glauben, ist oft nicht einfach.

Zu dunkel kann Dunkelheit sein –

pechschwarze Nacht voller Angst und Hoffnungslosigkeit.

 

*****

 

Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt!

 

Ich frage mich: Wie kann ich Licht sein?

Ich fühle mich oft so schwach ... zaghaft und ängstlich ...

Und doch traut mir Jesus zu, Licht zu sein.

 

Gibt den Kanon:

Mache Dich auf und werde Licht,

Mache Dich auf und werde Licht,

Mache Dich auf und werde Licht,

denn Dein Licht kommt.

 

Ich glaube, das geht: Licht werden. Heldin werden.

Denn Gott ist bei mir, was immer auch geschieht.

Wenn ich weiß, dass Gott bei mir ist,

kann ich ansatzweise Reich Gottes leben.

 

Amen

 

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