Sattmacher Gott

Sattmacher Gott

Die Predigt geht auf 2 Bibeltexte ein.

 

Lesung: 2. Mose 16, 2-3 und 11-18

Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste.

 

Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, daß ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben laßt.

 

Und der HERR sprach zu Mose:

Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, daß ich, der HERR, euer Gott bin.

Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager.

 

Und als der Tau weg war, siehe, da lag's in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde.

Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wußten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat.

 

Das ist's aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte.

Und die Israeliten taten's und sammelten, einer viel, der andere wenig.

Aber als man's nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

 

 

 

Evangelium: Lukas 9, 10-17

Die Speisung der Fünftausend

Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein in die Stadt zurück, die heißt Betsaida.

Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften.

Aber der Tag fing an, sich zu neigen. Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Lass das Volk gehen, damit sie hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und Herberge und Essen finden; denn wir sind hier in der Wüste.

Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingehen sollen und für alle diese Leute Essen kaufen.

Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasst sie sich setzen in Gruppen zu je fünfzig.

Und sie taten das und ließen alle sich setzen.

Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten.

Und sie aßen und wurden alle satt; und es wurde aufgesammelt, was sie an Brocken übrig ließen, zwölf Körbe voll.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Es gibt Millionene von Menschen,

die von HUNGER und DURST gequält werden.

Millionene von Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen müssen und nicht wissen, wie sie ihre Kindern ernähren sollen.

 

Kampf um die Notspeisung in den Flüchtlingslagern der Welt ...

Wenn die Menschen die Lager überhaupt erreichten.

 

Hilfsorganisationen versuchen Nahrung, Hilfsgüter und medizinische Versorgung in die Notstandsgebiete zu schaffen.

Oft unter Lebensgefahr, denn vielfach ist die Not sowohl durch Klimaveränderung/ Umweltzerstörung als auch durch Kriegszustand verursacht.

 

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Im Wellen Berichterstattung über diese Notstandsgebiete in den Medien mit Spendenaufrufen.

In etlichen Regionen kann gar nicht geholfen werden, da die politisch Herrschenden nicht zulassen wollen, dass öffentlich wird,

wie die Lebensverhältnisse in ihrem Land sind. –

Keine Pressefreiheit – keine Berichterstattung – keine Hilfe von außen.

 

Dort, wo es zu Tage tritt rührt sich das Weltgewissen rührt.

Die Bilder der Leidenden verstören ... klagen an und

erinnern auch an eigene erlittene Not.

 

Ja, wer selbst einmal ganz unten war ... alles verloren hat ... nicht wusste, wie er den nächsten Tag überstehen kann, den sprechen die Bilder der Hungernden aus fernen Ländern unmittelbar an.

 

Weltgewissen – Weltverantwortung

 

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Seit ich denken kann – seit ich Nachrichten im Fernsehen verfolge, wird über die Not von Menschen in der „Dritten Welt“ berichtet. 

Nur dass heute vielen Menschen klarer ist,

dass ES NUR EINE WELT gibt. Keine 1. 2. 3. Welt.

 

Nur EINE WELT, die immer kleiner wird

für über 7 Milliarden Menschen,

nur EINE WELT, die immer friedloser wird –

mit immer mehr Waffenproduktion.

 

EINE WELT, die global zerstört wird.

 

*****

 

Globalisierung – das Wort kenne ich erst seit Ende des 20. Jahrhunderts.

Ich weiß gar nicht mehr, wann es modern wurde.

Das Globale – die globale Sichtweise – das globale Denken.

 

Eins habe ich begriffen,

Globalisierung und Wirtschaft – gehören zusammen.

 

Nehme ich einen beliebigen Gegenstand des Alltags in die Hand, z.B. eine Packung hp Druckerpatronen und sehe, wo die Druckerpatronen hergestellt werden, lese ich:

Black – Product of Malaysia

Tri-color – Product of Singapore

Oder nehme ich ein T-Shirt von C&A oder einem anderen Textilhersteller in die Hand und lese Indien.

 

Indien? War da nicht etwas in den Medien?

 

Oder die I-pad Bildschirme in China gefertigt.

War da nicht auch etwas in den Medien?

Von den Arbeitsbedingungen der Menschen, die keine andere Wahl haben, als dort ihr Brot zu verdienen. Da war doch was?

 

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Die immer kleiner werdende Welt

Fest im Griff der Massenproduktion.

Weltumspannend ist das.

 

Sogar die heimische Landwirtschaft geht den Weg der Massenproduktion.

Dies mit Massentierhaltung und Monokultur.

 

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Die Kaufkraft ist ungebrochen, die Märkte verlangen nach immer mehr und immer billiger ....das NEBENEINANDER von reich und arm wird immer eklatanter.

Eine wahnsinnige Entwicklung, die mir Angst macht.

 

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Das NEBENEINANDER von reich und arm ist in den Industrieländern besonders groß. Derjenige, der aus seinen Lebens- und Arbeitsbezügen herausfällt, der fällt tief.

Nicht umsonst steigt in unserem Land die Angst vor sozialem Abstieg,

die Angst vor Arbeitslosigkeit ...

 

Das NEBENEINANDER von Menschen in Not und Menschen, die sich alles kaufen können, erzeugt vor allem Angst bei den Menschen dazwischen.

Dem Mittelstand.

 

Ich bin ein Mittelstandsmensch.

Als solcher lese/ höre ich die Bibeltexte von Manna

und von der Speisung der 5000.

Ich – nicht arm – nicht reich ...

aber doch reich im Verhältnis zu den Hungernden in der Welt.

 

Ich lebe nicht in der Wüste.

 

Mein Hunger und mein Durst werden durch Lebensmittel gestillt,

die ich mir bei EDKA kaufen kann. Wo ich sogar viel Auswahl habe.

 

Speisungswunder, wie sie die Bibel beschreibt,

wünsche ich mir für die Hungernden dieser einen Welt.

Speisungswunder, die NICHT NUR EINMALIG SIND.

Also einmal Wachteln und Manna vom Himmel regnen lassen ... einmal erleben, wie ein Wunderrabbi aus 2 Broten und 5 Fischen 5000 People satt macht. Und dies als Demonstration der Mächtigkeit Gottes.

 

Nachhaltig soll die Stillung des Hungers sein.

 

Na ja, die Bibeltexte sind sehr alte Glaubenstexte, in denen Menschen Glaubenserfahrungen erst mündlich dann schriftlich überliefert haben.

 

Im Mosetext, da „murren“ die Israeliten, weil es ihnen in der Wüste schlechter geht, als in der Gefangenschaft in Ägypten.

 

Sie sehnen sich zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens, von denen sie nur soviel abbekommen haben, dass sie noch für Frondienste als Sklaven zu gebrauchen waren.

Besser unfrei als verhungern.

Die Erinnerung an die Unfreiheit und Not in Ägypten verblasste vor dem Hunger in der Wüste.

 

(Besser in einer Textilfabrik in Indien arbeiten als verhungern?)

 

Der Protest kommt an. Mose setzt sich mit Gott in Verbindung und

das Wunder nimmt seinen Lauf.

Jeder bekommt, was er braucht.

Niemand hat zu viel oder zu wenig.

Damit ist dem Murren ein Ende gesetzt.

 

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Bei der Speisung der 5000 geht es auch ums Sattwerden.

 

Die 5000 wurden satt, obwohl Jesus und seinem engsten Jüngerkreis

nur 2 Brote und 5 Fische zur Verfügung standen.

 

Wurden die 5000 satt, weil Jesus tatsächlich

ein Speisungswunder vollbracht hat?

Aus dem WENIGEN eine ÜBERMASS gezaubert hat?

Oder hatten die vielen Menschen selbst Verpflegung dabei und waren bereit zu teilen, weil die Stimmung für ein gemeinsames Essen mit gegenseitigem Teilen gut war?

Wurden die suchenden, fragenden, hoffenden Menschen satt, weil

in Wirklichkeit die Worte Jesu, seine Predigt, sie satt gemacht hat?

 

Die Menschen zur Zeit Jesu hatten viel Not und Bedrohung.

Ihr Land war besetzt, die herrschende Oberschicht hatte sich mit den Römern arrangiert, sah ihren Vorteil ... presste die Menschen noch schamloser aus, suchte allein ihren Profit.

 

Ich glaube, dass Jesu Worte den Menschen Hoffnung gemacht haben.

Hoffnung auf Befreiung – auf Frieden und Gerechtigkeit.

Von ihrer religiösen Oberkaste fühlten sich die Menschen nicht mehr vertreten.

 

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So viel Du brauchst

War das Kirchentagsmotto.

Du bekommst zum Leben zugeteilt, so viel Du brauchst.

Nicht mehr – nicht weniger.

 

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Da, ich geb Dir Dein Anteil.

Das steht Dir zu.

Das bekommst Du.

Sei zufrieden.

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Ich glaube, wichtig ist, wie einem Menschen etwas gegeben wird.

Wird mit Liebe - Achtung – Respekt etwas geben?

Wird der andere als Mensch behandelt, seine Würde geachtet?

Oder wird er nur als lästiger bettelnder Bittender gesehen,

der sonst keine Ruhe gibt?

Oder wird gegeben, um das Gewissen zu erleichtern?

Weil man ja geben muss, um nicht hartherzig zu erscheinen,

vor sich selbst und anderen?

 

*****

Den Hungernden als Mensch betrachten.

Die Millionen Hungernden nicht als Masse betrachten.

Darum geht es.

 

Das Volk Israel / die 5000 ... waren Menschen.

Alle mit ihren Hoffnungen Sehnsüchten, realen Nöten.

Menschen, die sich aufgemacht haben ... die Israeliten sind in die Wüste gezogen .... die 5000 sind Jesus nach gelaufen ...

Doch die Not – der Hunger hat sie eingeholt.

Auch die 5000 – die Jesus durch sein Wunder satt gemacht hat – mussten erleben, wie ihre Hoffnung am Kreuz gestorben ist, wie die Brutalität der Herrschenden gesiegt hat.

 

*****

Das Individuum steckt mitten drin.

Jeder in seiner Zeit an seinem Ort.

Die Nöte / der Hunger ist unterschiedlich /

auch die Sattmacher.

 

Nur in unserem hochtechnisierten Land – Deutschland – gibt es viele Sattmacher, die Hunger nicht stillen, die nicht nachhaltig sind.

 

Sattmacher – die gefühllos und geschmacklos machen.

Das Anfüllen und Abfüllen geschieht im Übermaß.

Die Menschen wissen oft gar nicht mehr,

wo ihnen der Kopf steht vor lauter Angebot.

 

Dazu kommt, das in unserem „reichen Land“

immer mehr seelische Not herrscht.

 

Wenn die Seele verhungert .... verdurstet ..., dann ist das auch NOT!

Sie kann ganz elementar werden.

Sie kann einhergehen mit wirtschaftlicher Not, durch sozialen Abstieg,

sie kann quälen, trotz Reichtum.

 

Die seelische Not.

 

****

Erschrocken war ich, als ich, während dreier Klinikaufenthalte in einer Psycho-Klinik, so viele psychisch erkrankte junge Menschen sah.

Menschen mit Essstörungen.

Bulämie  - Magersucht – Adipositas.

 

Junge Menschen, die in ihrer Kindheit

physische- psychische Gewalt erlebt haben.

Junge Menschen, die nach Annahme und Anerkennung hungerten.

Die sich NICHT geliebt und gewollt fühlten.

Die nicht mehr leben wollten.

Denen bin ich begegnet.

 

*****

Ich saß in einer Gruppentherapiestunde.

Wir haben uns gegenseitig erzählt.

Eine Jugendliche – die jüngste der Gruppe – war nach ihrem Aussehen ein Grufti – eine Goth – ganz in SCHWARZ.

 

Wenig hat sie von sich preis gegeben.

Eher teilnahmslos saß sie da.

 

Doch wir alle spürten ihren Schmerz – ihre Sehnsucht – aus den wenigen Brocken, die sie mit viel Zorn heraus brachte.

 

Ich sagte zu ihr:

Du bist ein einzigartiger einmaliger Mensch.

Du trägst Gottes Angesicht – und Dein Gott verlässt Dich nie.

Er ist bei Dir – trauert mit Dir – und leidet mit Dir.

Du bist wertvoll.

 

Das sagte ich ihr, obwohl ich selbst diese Zusage brauchte,

obwohl ich selbst in seelischer Not war ... mich entmenscht – verachtet fühlte.

 

Sie weinte hemmungslos ... und ich weite dann auch.

„Falsch gemacht“ – dachte ich – „Ich hab sie zum Weinen gebracht“.

Ich fühlte mich schrecklich danach.

 

****

Als wir uns Tage danach im Regen vor dem Klinikgebäude getroffen haben, sagte sie zu mir: „Ich habe geweint, weil das, was Du mir gesagt hast, mir noch kein Mensch gesagt hat.“

 

Menschen, die HUNGER kennen,

können HUNGERNDEN menschlicher, ehrlicher begegnen.

 

Jesus hatte selbst so viel Hunger nach Frieden und Gerechtigkeit

in seiner Seele, dass seine Reden von Gott und der Welt echt waren.

 

AMEN

 

Mit G rechnen

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