Gottesformel ?

Predigt am 2. November 2014

in der Hüttener Kirche zu: 2. Korintherbrief, 3, 3-9

 

Gottesformel?

 

Paulus schreibt: "Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig."

Wie gut, dass wir unveräußerliche Menschen- und Freiheitsrechte in unserer Verfassung haben. Diese Rechte sind vom Geist der Freiheit getragen. Wichtig in Verfassungen ist, das Regierunge Menschenrechte oben an stellen. Dazu braucht es keine Gottesformel in der Verfassung - nur den unbedingten Willen von Regierenden, Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheitsrechte zu wahren.

 

Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat sich Anfang Oktober 2014 nach langer Diskussion gegen eine Gottesformel in der Präambel der Landesverfassung ausgesprochen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wenn das der Fall ist, können sich Menschen frei entscheiden, ob sie Glauben wollen – das mit oder ohne Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft.

 

Gott als Du im Herzen haben, hängt von keiner Gottesformel oder Theologie ab. Es geschieht mitten im Leben.

 

 

2. Korintherbrief, Kapitel 3, Verse 3-9

 

Ist doch offenbar geworden,

daß ihr ein Brief Christi seid,

durch unsern Dienst zubereitet,

geschrieben nicht mit Tinte,

sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes,

nicht auf steinerne Tafeln,

sondern auf fleischerne Tafeln,

nämlich eure Herzen.

Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott.

 

Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber,

uns etwas zuzurechnen als von uns selber;

sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott,

der uns auch tüchtig gemacht hat zu

Dienern des neuen Bundes,

nicht des Buchstabens, sondern des Geistes.

 

Denn der Buchstabe tötet,

aber der Geist macht lebendig.

 

Wenn aber schon

das Amt, das den Tod bringt und das mit Buchstaben in Stein gehauen war, Herrlichkeit hatte,

so dass die Israeliten das Angesicht des Mose nicht ansehen konnten wegen der Herrlichkeit auf seinem Angesicht,

die doch aufhörte,

wie sollte nicht viel mehr

das Amt, das den Geist gibt, Herrlichkeit haben?

Denn wenn

das Amt, das zur Verdammnis führt, Herrlichkeit hatte,

wie viel mehr hat

das Amt, das zur Gerechtigkeit führt, überschwängliche Herrlichkeit.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Gesetze sind heute nicht mehr in Stein gehauen,

wie die 10. Gebote, die Mose dem Volk Israel am Berg Sinai übergeben hat.

 

Ich kann z.B., wenn ich kein Grundgesetz als Buch zur Hand habe,

ins Internet gehen und

www.bundestag.de/grundgesetz eingeben,

dort finde das Grundgesetz, das die Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland ist.

 

Für eine Änderung des Grundgesetzes ist die Zustimmung des Bundestages sowie des Bundesrates erforderlich. .... Die in den Artikeln 1 und 20 des Grundgesetzes niedergelegten Grundsätze sind unabänderlich. Artikel 1 garantiert die Menschenwürde und unterstreicht die Rechtsverbindlichkeit der Grundrechte. Artikel 20 beschreibt Staatsprinzipien wie Demokratie, Rechtsstaat und Sozialstaat

 

Das steht gleich zu Anfang auf der Bundestags-Homepage.

 

  • Präambel
  • Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,
  • von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
  • Artikel 1: (Ist UNABÄNDERLICH!)
    • (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
    • (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
    • (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
  • Ich bin froh und dankbar, in einem Land zu leben, in dem es Verfassungsmäßig fest verankerte (unabänderliche) Menschenrechte gibt, in einem Land zu leben, in dem es Staatsprinzipien wie Demokratie, Rechtsstaat und Sozialstaat gibt.
  •  

    Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem es Religionsfreiheit gibt, in dem Menschen mit 14 religionsmündig sind.

     

    In einem „Gottesstatt“ möchte ich nicht leben, egal welche Religion sich als herrschende gebärdet. Denn „herrschende Religion“ wird zur Ideologie – zum Machtinstrument – um Menschen zu lenken ... zu manipulieren und zu unterdrücken.

     

    *****

    Im 1. Jahrhundert nach Christus, in der Zeit, in der Paulus lebte, beherrschten die Römer das gesamte Mittelmeergebiet. Völker, die sie besiegt haben, wurden von ihnen besetzt und mussten bluten ... Israel war besetztes Land ... stand unter ihrer Kuratel.

     

    Den jüdischen Glauben leben, durfte das jüdische Volk nur, weil es den Römer einfacher erschien, Vasallen-Könige ein zu setzen, die funktionierten, die praktisch als Handlager der Römer agierten.

     

    Jesus und Paulus bewegten sich in einer Zeit voller Gewalt und Armut. Sie versuchten ihren Glauben zu leben. Ihre Art, ihren Glauben zu leben, hat sie viel gekostet.

    *****

     

    Mitten im Mittelalter, in Zeiten der Verwobenheit von Thron und Altar (von Staat und Kirche), gab es nur EINE RELIGION, die KATHOLISCHE, die ja als alleinig seligmachend galt.

    Kleine jüdische Gemeinschaften lebten in Ghettos ... wurden verfolgt, vertrieben ... oder umgebracht.

     

    Im Zeitalter der Reformation gab es Religionskriege ... gab es die Aufspaltung in evangelische und katholische Gebiete, in denen Menschen die Religionszugehörigkeit haben mussten, die ihre Landesherren hatten.

     

    ****

    Von den Anfängen der Reformationszeit bis in die Gegenwart sind 500 Jahre vergangen. Wir leben heute im 21. Jahrhundert, in einer Zeit nach 2 Weltkriegen im vergangenen Jahrhundert ... in einer Zeit der GLOBALISIERUNG, wo überwiegend Wirtschaftsinteressen die Herrschenden lenken.

    Bund ... schnell ... irritierend ... und grausam ... geht es zu.

    Menschen suchen nach Orientierung und Halt.

    *****

     

    Religion als Halt, als Orientierungshilfe für den Einzelnen?

     

    Vor kurzem habe ich mit einer Mutter einer Konfirmandin über Gewalt in der Schule gesprochen. Cybermobbing ... und Drogen, darum ging es. Sie sagte wortwörtlich zu mir: „Das Wichtigste ist doch, dass Menschen die 10 Gebote im Herzen haben und bei ihrem Handeln beherzigen.“

     

    • Ist doch offenbar geworden,
    • daß ihr ein Brief Christi seid,
    • durch unsern Dienst zubereitet,
    • geschrieben nicht mit Tinte,
    • sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes,
    • nicht auf steinerne Tafeln,
    • sondern auf fleischerne Tafeln,
    • nämlich eure Herzen.
  • Mose, Paulus und JA! Jesus – allen dreien – war echt gelebter Glaube wichtig. Gebote / Regeln / Leitbilder, die nur auf Stein oder Papier eingezeichnet sind und die nicht gelebt werden, haben vor Gott keine Bedeutung.

     

    Der Jude Jesus lebte die 10 Gebote,

    lebte Liebe zu Gott und zum Nächsten!

     

    Seine Art zu lieben, seinen Glauben glaubwürdig zu leben, hat ihn ans Kreuz gebracht. Denn seine Art der Glaubwürdigkeit erschien den Herrschenden als umstürzlerisch und gefährlich.

     

    ****

    Der Stimme des Herzens folgen / dem Gewissen folgen, kann im Extremfall das Leben kosten.

     

    ****

     

    • Denn der Buchstabe tötet,
    • aber der Geist macht lebendig.
  • Brauchen wir einen neuen MOSE?

    Einen neuen PAULUS?

     

    Brauchen wir einen neuen Heiland, der vor unseren Augen gekreuzigt wird?

     

    Brauchen wir in der Schleswig-Holsteinischen Verfassung die Gottesformel?

     

    Ja ... Nein ... ????

     

    Wir brauchen keine Gottesformel in Stein gemeißelt oder auf Papier gedruckt.

    Wir brauchen überhaupt keine Formel!

     

    Wir brauchen Menschen, für die Menschlichkeit ... Rücksicht ... Mitempfinden ... Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit wichtig ist.

     

    Jesus wurde ja deshalb von vielen geliebt und auch gehasst, weil bei ihm der gelebte Glaube im Zentrum seines Handelns stand.

     

    Die HORIZONTALE ist das Entscheidende!

    Kreuze werden in der HORIZONTALEN aufgestellt ... überall auf der Welt.

    Christusnachfolge geschieht HORIZONTAL!

    Hier auf dieser Welt – in der Gegenwart!

     

    • Ist doch offenbar geworden,
  • daß ihr ein Brief Christi seid,
  •  

    *****

    ICH – EIN  BRIEF CHRISTI?

    Mein Leben ... ich selbst ... als ein Brief?

    Wenn ich meinen Lebens-Brief lese ... wenn ich auf meine Biographie schaue, finde ich Zeiten, da war mir Gott fremd und fern.

     

    Und doch war er in den schwersten Zeiten meines Lebens bei mir ... hat mitgelitten, hat mitgeweint, ... das ganz weltlich horizontal.

     

    Mitweinen geschieht immer an der Seite eines Leidenden.

    Mitweinen ist menschlich und höchstpersönlich.

     

    Amen

     

    Mit G rechnen

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