Grenzenlos Nächstenliebe ?

Die Predigt habe ich am 19. Oktober 2014 (18. Sonntag nach Trinitatis) in der Sehestedter Kirche gehalten. Im Zentrum steht das Doppelgebot der Liebe: Gottes- und Nächstenliebe. Die Bibeltexte, die ich der Predigt zu Grunde gelegt habe, sind: Markus 12, 28-34 und Epheser 5, 15-21.

 

Grenzenlos Nächstenliebe üben ist längerfristig nicht lebbar und wird auch nicht von Gott gefordert. Wer sich im Helfen verliert, wird schnell entkräftet, leidet irgendwann am Burnout.

Viele Christen / Christinnen haben ein Helfersyndrom, haben „dienen, helfen müssen“ so verinnerlicht, dass sie überhaupt nicht mehr wahrnehmen, wie sie sich selbst schaden. Selbstachtung und Selbstliebe sind Grundvoraussetzungen für die Nächstenliebe.

 

Die Bibeltexte:

Markus 12, 28-34

Und es trat zu JESUS einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, daß er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen?

Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein,

und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften« (5. Mose 6,4-5).

Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

 

Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm;

 

und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.

 

Als Jesus aber sah, daß er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

 

Epherserbrief 5, 15-21

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt,

nicht als Unweise, sondern als Weise,

und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit.

 

Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.

Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern laßt euch vom Geist erfüllen.

 

Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen

und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

 

 

Die Predigt:

 

Liebe Gemeinde,

 

das „höchste Gebot ist Gottes- und Nächstenliebe.

So lesen wir es bei Matthäus, Markus und Lukas.

In allen 3 Evangelien wird Jesus von einem Schriftgelehrten gefragt, was es ist – das „höchste Gebot“.

 

  • »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein,
  • und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften« (5. Mose 6,4-5).
    • »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«
    • (3. Mose 19,18)
  • Jesus selbst ist NICHT der Erfinder des Doppelgebots der Liebe. Schon pharisäischen Schriftgelehrten (Rabbis) vor ihm war die Verknüpfung wichtig.

     

    Auch für Mose war klar, dass neben der 1. Gebotstafel

    mit Geboten zur Ehre Gottes – die 2. Gebotstafel – mit Geboten des menschlichen Miteinander - untrennbar verbunden ist.

     

    Das ist auch beim Kreuz so: da gibt es die Vertikale, die Ausrichtung nach oben, und die Horizontale, die Ausrichtung hin zum Leben.

     

    *****

    Wer Gott liebt ... der tut anderen kein Unrecht ... der lügt nicht ... der schludert / mobbt nicht .... stiehlt nicht ... mordet nicht ...

    Sollte man denken ... sollte man voraussetzen – oder?

     

    *****

    Wenn wir über Gottes- und Nächstenliebe reden, geht es um Ethik ... um Mitgefühl ... Mitempfinden ... Mitleid ... Barmherzigkeit ... Empathie ... Respekt ... Achtung ... Rücksichtnahme ... Courage ...

    da geht es um den Mut, anderen zu helfen ... sich gegen Lebensverneinendes zu stellen.

     

    Was ist das?

    Was bedeutet das?

    Beides zusammen denken und leben????

     

    *****

    Die Bergpredigt Jesu macht deutlich, welch hohe Anforderung sich konkret dahinter verbirgt.

    Im Extremfall – die Feindesliebe.

     

    Nun, einen Feind lieben, das fällt mir schwer.

    Da muss ich fast streiken.

     

    Auch beim Hinhalten der anderen Wange, wenn mich einer schlägt. Ich glaube nicht, dass ich das täte. Jedenfalls ist das nicht mein erster Gedanke.

    Ob ich gleich zurückschlagen würde?

    Ob ich Deeskalationstechniken anwenden würde?

    Ich weiß es nicht. Keine Ahnung. Kommt auf die Situation an ... kommt auf den Feind drauf an.

    Eben wie feindlich der Feind sich mir gegenüber verhält ... wie stark er mich verletzt.

     

    *****

    So im Alltag – nicht in der aggressiven Feindberührung – sind wir Christen gefordert, uns menschlich zu verhalten.

     

    Für den Alltag rät Jesus:

    • Alles nun, was ihr wollt,
    • daß euch die Leute tun sollen,
    • das tut ihnen auch!
  • Vereinfacht:

    • Was Du nicht willst, das man Dir tu,
    • das füg auch keinem andern zu.
  • Die GOLDENE REGEL – einfacher geht´s nicht.

     

    Da braucht man noch nicht mal Katechismus lernen.

     

    *****

    Die GOLDENE REGEL soll im Alltag

    von Alltagshelden gelebt werden.

     

    Denn jeder von uns kann in Situationen kommen, wo er / sie durch Gewissen und innere Stimme herausgefordert wird,

    uns christlich zu verhalten.

     

    Geschieht das – wird in dem Moment Reich Gottes auf Erden gelebt.

     

    Jeder kann das – ein Stückchen Reich Gottes leben,

    das durch Menschlichkeit mitten im Alltag

    und nicht durch bloße  Psalmgesänge und Lobpreisungen Gottes als Lippenbekenntnis, so dass das Bild nach außen stimmt.

     

    ****

    Ein Alltagsheld – der für mich Vorbildcharakter hat – ist ein Kirchenratsgemeindemitglied einer kleinen Gemeinde am Starnberger See.

    Er ist in seinem Denken und Tun einfach echt.

     

    Geboren wurde er im Iran.

    Seit vielen Jahren lebt er in Deutschland ... vor ca. 20 Jahren ist er vom Islam zum Christentum konvertiert und übernimmt in seiner Kirchengemeinde viele Aufgaben.

     

    Dazu kümmert er sich schon länger um Asylbewerber.

    Da ist er der Top Mann, da er Persisch spricht.

     

    Die Jüngeren Asylbewerber erhalten nun Berufsschul-Unterricht. Dies, damit sie sich besser integrieren können.

     

    Nun wurde er von der Berufsschule um Hilfe gebeten,

    denn ein junger Mann aus Afghanistan respektier

    die Berufsschullehrerin nicht, weil sie eine Frau ist ...

     

    So wird er sich den jungen Mann zur Brust nehmen.

    Das gehört zu seiner Aufgabe dazu. So sieht er das.

     

    Schon so manch einen jungen Asylbewerber hat er den Weg in eine bessere Zukunft gezeigt, dies ganz klar ... menschlich und ehrlich,

    gehen muss der Mensch den Weg dann selbst.

     

    Wichtig ist ihm bei seiner Aufgabe, dass er auf seine eigene Kraft und Zeit achtet. Denn helfen könnte er dort GRENZENLOS PAUSENLOS ... doch würde er das tun, wäre er bald schon ein hilfloser Helfer.

     

    ******

    Menschlichkeit in Maßen? In Grenzen?

    Abgemessene Menschlichkeit und Nächstenliebe?

    ****

    • »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«
  • heißt es in der Bibel, im AT und im NT.

     

    Menschlich ist es auch, sich selbst zu lieben ... zu achten ... auf die eigenen Kraftreserven auf zu passen ... sich selbst vor Selbstaufgabe zu schützen.

     

    Sich selbst zu lieben, ist eine Fähigkeit!

    Das kann nicht jeder.

     

    Gemeint ist nicht selbstverliebter Egoismus,

    der über Leichen geht.

    Gemeint sind nicht Egoisten, die sich permanent um sich selbst drehen, nur ihr Wohlergehen im Blick haben.

    Sondern lebendiges Leben in Bezügen ... in ICH-DU Begegnungen,

    mit dem Wissen, das der ANDERE ANDERS ist!!

     

    *****

    „Kauft die Zeit aus“ – heißt es im Epheserbrief.

     

    Nutzt jede Minute eures Lebens voll aus“ wird das in der VOLX-Bibel übersetzt.

     

    ... denn Leben ist wertvoll ... ergänze ich.

     

    Leben mit anderen Menschen, die ich als Menschen betrachte ... Leben mit der Natur .... Leben mit Gott an der Seite – als Du.

     

    Mit Gott an der Seite als ganz nahes DU.

    Du – Du – Du Gott

    Du – mein Liebster

    Du – mein Freund

    Du – mein Nächster

    Du – mein Leben.

     

    ICH und DU-GOTT – wir beide in einer lauten, grausamen, irritierenden und fordernden Welt.

     

    Amen

     

    Mit G rechnen

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