Torso von Luise

Torso von Luise, März 2014

reduziert aufs Geschlecht
ohne Arme Beine Kopf

leicht zu umgreifen
als Entdeckerlandschaft
als Aufklärungspuppenkörper

ideal weiblich
ohne störendes Beiwerk

Intimreisen
können gebucht werden
zumeist Jungtorsos
knackig frisch
nicht fleckig alt und abgelebt

je jünger desto besser
am besten unberührt jungfräulich
für erste Nacht
für viel Geld

ideal ohne Arme Beine Kopf

Als ich missbraucht wurde war ich Jungkörper. Zuerst Kleinkindkörper, Kindkörper, dann fraulich heranwachsender Körper. Zur Zeit der 1. richtigen Menstruation gingen mir die Augen auf. Mein Vater hatte mich zur „Liebespuppe“ reduziert, aufblasbar und ohne Gegenwehr.

Nachdem ich erkannte, was mein Vater mit mir machte, bekam ich plötzlich „Arme Beine Kopf“. Wie dumm für ihn. Denn ab da war ich für ihn nicht mehr so leicht greifbar ... nicht mehr seine Liebes- und Lustpuppe.

Es hat schon was für sich, vom „Baum der Erkenntnis“ zu essen und zu wissen, dass ich weiblich bin. In der Bibel wird ja so schlecht vom Essen vom „Baum der Erkenntnis“ geschrieben. Das war böse-böse, gell!

Für mich war und ist die Entdeckung meiner Weiblichkeit, meiner Geschlechtlichkeit super wichtig. Allerdings nicht so, wie über Jahrhunderte hinweg von Weiblichkeit / Geschlechtlichkeit in Kirchens gepredigt wurde. Das frauenverachtende Gequatsche von dem, was uns Frauen zugestanden wird, lehne ich ab.

 

Luise von Torso

mein Kunstkind
das ich liebe
streichle und wiege

meine Geschlechtlichkeit
nicht mehr von mir gehasst
in aller Schönheit
mein - für mich

Torso im Kopf
bist Du langsam wieder
ein Teil von mir selbst

ohne Zweck und Rolle
ohne müssen und erdulden

Als ich „Torso von Luise / Luise von Torso“ geschaffen habe, hatte ich viel Liebe in mir / zu mir. Ja, Leiberinnerungen und Alpträume sind noch da. Doch stärker als das, ist mein Erkennen und Fühlen, mein mich selbst Erobern.

Die Evangelische Kirche (EKD) hat ja ein „Familienpapier“ als Orientierungshilfe heraus gegeben. Heiß umstritten ist es. Eigentlich sollte noch ein „Papier zur Sozialethik“ nachfolgen. Das wurde erst mal auf Eis gelegt.

Ist ja problematisch, wenn Kirchen über Sex und Ethik reden, und dabei viel Bibel zitieren. Was die biblischen Schriften dazu sagen, ist vergangenste Vergangenheit. Menschen- Welt- und Gottesbild vor jeglicher Aufklärung und vor Menschenrechten. Was die Rechte von Kindern und Frauen anbelangt, da waren die Kirchen in den letzten Jahrhunderten leider auch nicht Vorkämpfer. Und was die Rechte von Gewalt- und Missbrauchsüberlebenden anbelangt?????

Vielleicht tut sich da mal was. Kirchenobere wollen sich ja auch gesamtgesellschaftlich (politisch) einmischen. Prävention und Runder Tisch groß geschrieben. Lernen Wollen von Betroffenen, auch groß geschrieben.

 

Dann lernt mal schön.

 

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