Schum schei

Schum schei, Foto Dezember 2011

mhmmhhhmmhmmh
wehet der wind
hmmm da wiegt die maria ihr kind
schum schei schum schei

hm
summend im sitzen

da steht sie wieder
wie alle jahre
die tage
vor dem weihnachtsfest

heilige familie in holz
traut traulich zusammen
im stall voller stroh

mariafigürli
joseffigürli
und das kindelein so fein
im trog

zum abziehen schön so schön

hmmm mmhm schum schei
denkschmerz tief im inneren
ohne vorwarnung alles falsch
verkehrt verdreht

figürli weg
josef weg vater weg weg
ach halt
ist ja doch bloß
stief-vater-figürli

bibel erzählt uns
josef war stief steif
beim zeugen nicht bei

gezeugt wurde überschattender weise
ohne befleckung
ganz reinlich rein

na dann kann er ja echt weg weg

und mariafügürli?
sie auch weg?
weg aus dem bild aus dem herzen

unbefleckt empfangende ist
nicht von dieser welt – nicht echt

allein das kindelein klein
mutter und vater los
vorherbestimmt
geschlachtet zu werden

jeder atemzug bringt
es seinem schicksal näher

Susanne Jensen

Kinder werden zu allen Zeiten gefoltert, zertreten, vernachlässigt, missbraucht.

Kinder, die von der Fürsorge Erwachsener gänzlich angewiesen sind, erleben Menschenrechtsverletzungen.

Die Nichtung / der Missbrauch durch Erwachsene – oft durch leiblichen Eltern – rauben den Kindern ihren Glauben an das Leben und ihr Urvertrauen. Denn wenn sich Mutter und Vater über ihr Neugeborenes beugen, sind sie Muttergott, Vatergott, für sie.

Gerade an Weihnachten wurde mir als Kind und Jugendliche krass deutlich, dass NICHTS bei uns zu Hause stimmte! Da gab es viel Getue, viel Gesumms, Geschenke, Bäumchen ... Backwerk. Da wurde so getan, als ob wir Familie waren, obwohl mein Erzeugervater nur ein Interesse hatte, mich zu seinem Sexspielzeug zu machen, mich mit seinem Erzeugerglied an zu greifen.

Die Sehnsucht nach echt Weihnachten blieb, wie auch die Sehnsucht nach einer guten Kindheit ohne Verrat.

Wie hält man das aus, als Missbrauchsüberlebende Weihnachten zu feiern?

Dazu noch mehr. Nur so viel: Ich lebe gerade im Advent und bin 48 Jahre alt und Pastorin. Da muss ich mich damit auseinandersetzen, wie ich für mich echt Weihnachten feiern kann, wie ich mit der Gemeinde, alles Menschen mit unterschiedlichsten Lebenserfahrungen, dieses Fest feiere. – So viel dazu gesagt, wie es mir doch gelingt, dem Ganzen etwas ab zu gewinnen: Gott kam von ganz unten in die Welt. Er kam zur Welt wie jeder Mensch, trug Haut und ging auf Staub. Gott hat diesen Weg gewählt. Hat sich verfolgen, foltern, töten, ja schlachten lassen, und durchlebte menschliche Opfergefühle dabei. Nichts ist ihm da fremd; auch die Opfergefühle von missbrauchten Kindern nicht.

Mit G rechnen

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